Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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Für den Brunnenschmuck der raffaelischen Zeit müssen besonders 
ausgiebig gewesen sein die Gartenanlagen der großen Villa des Kardi¬ 
nals Giulio de’ Medici (§119), seither Villa Madama, und zwar weniger 
in dem Ausgeführten, als in den oft und stark wechselnden Entwürfen, 
mitgeteilt bei v. Geymüller, Raffaello studiato com architetto. Über den 
Anteil des Giovanni da Udine (§ 175) vgl. Vasari XI,p. 306, v. di Udine; 
derselbe soll hier einen kurz vorher in Rom entdeckten antiken Raum 
mit lauter Meereswesen und Meeressymbolik, den man für ein Heilig¬ 
tum Neptuns nahm, stark nachgeahmt und doch reichlich überboten 
haben; ferner ist die Rede von einem marmornen, wasserspeienden 
Elefantenkopf, sowie von einem Baum- und Felsdickicht mit Wassern, 
welche aus Stalaktiten usw. flössen, alles bekrönt von einem riesigen 
Löwenhaupt, umzogen von Frauenhaar und anderen bezüglichen 
Pflanzen. 
Gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts hin erhoben sich dekorative 
Baukunst und Skulptur, meist schon dem beginnenden Manierismus zu¬ 
gewendet, zu großen Brunnengebilden sowohl auf öffentlichen Plätzen als 
in Gärten, auch wenn das verfügbare Wasser kaum dazu im Verhältnis 
stand. Von der modernen konventionellen Wasserwelt mythologischen, 
allegorischen und heraldischen Inhalts sind erst hier die vollständigen 
Darstellungen als erhalten nachzuweisen: göttliche, menschliche und 
tierische Gebilde, oft ausgehend in Fischschweife. Das Handhaben von 
Urnen und die Verbindung mit den Speitieren gewährt lebendige Motive 
und die mehr dekorative Ausführung erspart der Kunst anspruchsvolle 
Zierlichkeiten, in welchen sie damals sonst nicht immer glücklich war. 
Aufbau und Profil des Ganzen, Aufeinanderfolge, Schmuck und Größe 
der oberen Schalen und des untern Beckens, auch vermittelt durch Stütz¬ 
figuren, werden öfter mit großem Schönheitssinn behandelt: das Wasser¬ 
speien wird jetzt in einer Menge von Erfindungen den verschiedensten 
Wesen anvertraut. Als einfachere Aufgaben stellen sich ein: der Wand¬ 
brunnen und die Nische; in Palästen und Gärten jetzt erhaltene Grotten 
mit Stalaktiten, Stukkaturen und Skulpturen aller Art. 
Der bevorzugte Meister Giov. Agnolo Montorsoli (geb. bei Florenz 
nach 1500, gest. 1563, Vasari XII, p. 20, 55), im Stil, wie alle folgen¬ 
den, von Michelangelo abhängig; Hauptwerke die beiden großen 
Stadtbrunnen in Messina, an der Marina und beim Dom; dieser ein 
dreischaliger Aufbau mit vier Flußgöttern; acht Meerwundern, Del¬ 
phinen, Masken, Reliefs, oben die Statue des Orion, alles in carrari¬ 
schem Marmor. 
Allerdings vermaß sich Bandinelü (Brief an Herzog Cosimo 1550, 
Lettere pittoriche I, 37) einen Brunnen zu schaffen, der nicht nur diesen 
sondern alle, welche die Erde trage und welche einst Römer und Grie¬ 
chen hervorgebracht, übertreffen solle.
	        

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