Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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Im Pal. von Urbino prachtvolle Türeinfassungen (§ 134), Kamine, 
Simse usw., zum Teil an Bolognesisches erinnernd; einiges mit Gold 
und Blau bemalt. 
Neapel zehrt im 15. Jahrhundert von Florenz (Grabmäler von Ros- 
sellino, Donatello usw.) und erhält erst spät im 16. Jahrhundert mit 
Giovanni da Nola, Girolamo Santacroce, Domenico di Auria eine selb¬ 
ständige Schule von Dekoratoren-Skulptoren, als im übrigen Italien 
die Gattungen sich bereits schieden. (Grabmäler in vielen Kirchen, 
Brunnen des Auria bei S. Lucia.) 
Genua nimmt im 15. Jahrhundert wesentlich am oberitalienischen Stil 
teil; das Beste eine Anzahl Türeinfassungen, worunter die prachtvolle 
von einer Kirche entlehnte in einem Hause auf Piazza Fossatello. Im 
16. Jahrhundert die Arbeiten des Montorsoli und mehr klassizistisch: 
der Tabernakel der Johanneskapelle im Dom (§ 80), von Giac. della 
Porta 1532. 
In Venedig war die Inkrustation (§ 42, 43) eine Rivalin der Deko¬ 
ration ; letztere ist wesentlich auf möglichst reiche Ausfüllung der Pi¬ 
laster, Friese, Fenstereinfassungen an Gebäuden beschränkt (S. M. de’ 
Miracoli, außen und innen; Scuola di S. Marco, hintere Teile des Do¬ 
genpalastes), während die Altäre und Grabmäler nur mäßigen Gebrauch 
davon machen und vom Anfang des 16. Jahrhunderts an fast gänzlich 
darauf verzichten, um sich rein in plastischen und architektonischen 
Formen zu bewegen. So ist hier durchschnittlich die Architektur de¬ 
korativer und die Dekoration architektonischer als anderswo. Doch 
bleiben außer einigen phantastisch reichen Kaminen im Dogenpalast 
(s. unten) die Arbeiten des Alessandro Leopardo wahre Wunder des 
von den herrschenden Manieren unbeirrten Schönheitssinnes: die Basis 
der Reiterstatue des Colleoni 1495, das Grabmal des Dogen Vendra- 
min in S. Giovanni e Paolo usw. (s. unten § 141). - In der Arabeske 
hat alles sich schlängelnde Rankenwerk eine ungemein viel bessere Bil¬ 
dung als die senkrecht aufsprießenden vegetabilischen Motive und vol¬ 
lends die trophäenartigen. 
Im übrigen Oberitalien scheiden sich ein Marmorstil und ein Stil in 
Backstein, Stukko u. a. weniger edlem Material. Der letztere hat seinen 
Hauptanhalt an Bologna, wo die vorhandenen Marmorsachen sogar 
weniger eigentümlich sind als diejenigen in den genannten Stoffen; in 
diesen das Beste von Formigine und Properzia de’ Rossi. (Es wird je¬ 
doch auch ein Marmorarbeiter Jacopo Duca um seines Laubwerks wil¬ 
len besonders gerühmt; Vasari IV, p, 251, v. di Ercole Ferrarese.) - Sehr 
eigentümlich das prächtige Stukkograbmal Gozzadini, in der Serviten- 
kirche, von Gio. Zacchio. - Die bedeutendste Backsteindekoration ist 
wohl diejenige an der Fassade des Ospedale maggiore zu Mailand (§ 44, 
107) und an den Hof hallen der Certosa von Pavia (§ 46). Im ganzen 
ist die Dekoration in diesen unedlem Stoffen bei aller Kraft und Fülle 
weniger fein empfunden und wird besonders im Stukko mit der Zeit 
ziemlich schwülstig.
	        

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