Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

ten auf dem Palatin die Rede ist, bevor Vignola denselben ihre spätere 
Gestalt gab. Am Abschluß eines großen Laubenganges erhebt sich eine 
Mauer von dunkeim porösem Tuff in absichtlich unordentlichen Blök- 
ken mit beliebigen Erhöhungen und Vertiefungen, in welchen letztem 
sich Pflanzen ansetzen sollen; das Ganze stellt vor unpesgo cPanticaglia 
rosa (d. h. verwittert) e scantonata; in der Mitte eine Tür, zu den Seiten 
mit rohen Blöcken, oben mit hängenden Steinmassen wie ein Höhlen¬ 
eingang; rechts und links in rohen Rustica-Nischen Brunnen mit Sar¬ 
kophagen als Trögen und mit Statuen liegender Wassergötter darüber; 
die Laube mit Epheu und Jasmin an den Seitenmauern, oben mit 
Weinlaub über Pfeilern bedeckt; der Charakter des Ganzen: ritirato, 
venerando. 
Eigentliche künstliche Ruinen blieben doch selten; im ganzen 
herrscht teils vollständige Architektur (und zwar z. B. in den einzel¬ 
nen Triumphbogen, Quellfassaden usw. der Villa d’Este in ziemlich 
reichen Formen, anderswo vermeintlich ländliche Rustica), teils bloßer 
Tuffsteinbau ohne Prätension, teils Belegung mit Muscheln, wie sie die 
Alten liebten. Schon Alberti a. a. O. spricht davon. 
§ 126 
Volle Herrschaft der Architektur 
Im 16. Jahrhundert wird die Herrschaft der Architektur über die 
Gartenkunst nicht bloß tatsächlich durch Überlassung der letztem an die 
Baumeister, sondern auch prinzipiell ausgesprochen. 
Bandinelli an Guidi 1551, Vettere pittoriche I, 38: le cose che si murano, 
debbono essere guida e superiori a quelle che si piantano. 
Serlios Pläne von Gartenbeeten, Ende des IV. Buches, »welche auch 
per altre cose dienen könnten«, sind in der Tat angelegt wie ein regel¬ 
mäßiges architektonisches Ornamentfeld. 
Bei wechselndem Niveau, sobald die Abstufung in ihr Recht trat, ge¬ 
wannen ohnehin streng symmetrische Anlagen von Terrassen, Balustra¬ 
den und Treppen die Oberhand. 
Entscheidend wirkten vielleicht die prächtigen Rampentreppen, 
welche in Bramantes großem vatikanischen Hauptbau (§ 97, 117) aus 
dem untern Hof in den obern Garten (giardino della pigna) führten, des¬ 
sen letzten Abschluß jene kolossale Nische mit oberer Säulenhalle 
bildet. Der obere Garten enthielt ohne Zweifel jene pratelli e fontane, 
welche Bandinelli (ibid.) als Muster aufstellt.1 Daß die Rampen wirk¬ 
1 Nur von diesem Garten, nicht von dem belvederischen achteckigen Hof, 
reden wohl die venezianischen Gesandten des Jahres 1523 (bei Tommaso Gar, 
relacione della corti di Roma, /».114 s.). Damals war die eine Hälfte mit Rosen, 
Lorbeern, Maulbeeren und Zypressen bepflanzt, die andere mit Backstein-
	        

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