Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

177 
Indes hat die Renaissance niemals mit dem Unsymmetrischen als mit 
einem malerischen Element kokettiert, sondern dessen immer nur so viel 
mitgegeben, als unvermeidlich war. 
Weshalb es denn auch immer richtig wirkt. Den höchsten Entscheid 
hierüber gibt nicht die Theorie, welche in diesen Dingen gänzlich 
schweigt, sondern ein Denkmal der höchsten Zierlichkeit wie die Villa 
Pia (von Pirro Ligorio, im vatikanischen Garten). Diesem sonst streng 
symmetrischen Bau ist der Turm hinten links beigegeben, als hätte es 
nur noch eines letzten Klanges bedurft, um den Eindruck holder Zu¬ 
fälligkeit über das Ganze zu verbreiten. Rechts ein besonderer Anbau 
für die Treppe, dem Auge beinahe entzogen. 
Bisweilen werden die besondern Bedingungen der Lage auch die 
Unsymmetrie zur Folge gehabt haben. Vgl. die unklare, aber vielver¬ 
sprechende Beschreibung der in den Comersee hinausgebauten (jetzt 
unseres Wissens verschwundenen) Villa des Giovio, Paul. Jov. Elogia 
literaria, Musei descriptio. Der Hauptsaal, mit Oberlicht von allen Sei¬ 
ten, enthielt seine berühmte Porträtsammlung. 
§ 118 
Villen der Frührenaissance 
Wie zeitlich, so werden auch im Stil die Florentiner allen übrigen Er¬ 
bauern von Villen vorangegangen sein. 
Die freiwilligen Demolitionen von 1529 vor der spanischen Belage¬ 
rung haben in weitem Umkreis das Beste zernichtet. Vielleicht ergeben 
die baulichen Hintergründe der Fresken des Benozzo Gozzoli (Campo 
Santo zu Pisa) einige ergänzende Ideen, hie und da auch die Intarsien 
der Chorstühle, welche so viele Ansichten von Phantasiegebäuden ent¬ 
halten. 
Das wenige aus dem 15. Jahrhundert noch Vorhandene mehr oder 
weniger umgebaut; Villa Michelozzi oder Bellosguardo hat noch die 
untere Halle und den Turm; über andere Bauten Michelozzos, Villa 
Mozzi, Villa Ricasoli zu Fiesoie, sowie über die mediceischen Villen 
Cafaggiulo (noch schloßartig), Trebbio und Careggi, vgl. Vasari III, 
p. 280, Note, v. di Michelo^o, und XI, p. 60, v. di Pontormo. Villa 
Mozzi, an steilem Abhang, enthielt unten die Ökonomieräume, oben 
die Säle, Wohngemächer und besondere Räume für Bücher und 
Musik. 
In größerm und freierm Stil, für Lorenzo magnifico: Poggio a Ca- 
jano, von Giuliano da Sangallo, mit einem großen Saal, dessen Tonnen¬ 
gewölbe erst dann gestattet wurde, als der Architekt in seinem eigenen 
Hause zu Florenz ein ähnliches errichtet hatte. Vasari VII,p. z\zyv. di 
Giul. Sangallo.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.