Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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Sehr bedeutend und noch in großen Partien erhalten: das Hospital 
S. Spirito zu Rom, der Hauptbau aus der Zeit Sixtus IV., mit ehemals 
offener, erst in neuern Zeiten geschlossener Fassadenhalle; Kuppel in 
der Mitte der zwei langen Hauptsäle; zwei von den vier Höfen ur¬ 
sprünglich. 
Ospedale maggiore zu Mailand hat eine geschlossene, freilich nach 
Nordwesten gelegene Prachtfassade, § 44. Innen nur die Nebenhöfe alt; 
der berühmte Haupthof erst von Richini. 
Einzelne Gasthöfe und Wirtshäuser waren schön genug, um begei¬ 
sterte Erwähnung zu veranlassen. 
Der Gasthof zum Ochsen in Padua (um 1450) mit Hof, Sälen, zahl¬ 
losen Kammern und Ställen für 200 Pferde, vollkommen »herren¬ 
mäßig«. Savonarola, bei Murat. XXIV, Col. 1175. 
Die schönste und größte Osteria vor Porta S. Gallo zu Florenz, für 
die Feiertage der Gewerbsleute, zerstört 1529. Varchi, ed. Milan. III, 
p. 86. 
Ein eigener Kreis von Malereien, der sich in und an solchen Ge¬ 
bäuden entwickelte, teils lustiger und leichtfertiger Art, teils Wappen 
von Fürsten. Lomazzo, trattato dellyarte,p. 349. 
Gebäude zu Zwecken des öffentlichen Vergnügens hatten nach außen 
wahrscheinlich noch keine ausgeprägte Kunstform, oder es waren bloße 
Bauten des Augenblickes, oder sie sind, wenn sie schön waren, sonst un¬ 
tergegangen. 
Über das ganze Bau- und Dekorationswesen des Theaters der Re¬ 
naissance s. unten § 192-194. 
Herzog Galeazzo Maria Sforza von Mailand (1466-1476) ließ für das 
Ballspiel »weite große Säle bauen und ebenso für die Musik«. Corio, 
storia di Milano, fol. 426. 
Falconetto (vgl. § 26) baute in Padua eine Rotunde für Musikauf¬ 
führungen, »klein, aber hübsch«. Eine Nachahmung dieses nicht mehr 
vorhandenen Gebäudes glaubt Milizia (memorie degli archit. I,p. 269) zu 
erkennen in Palladios Rotonda (eigentlich Villa Capra). 
In dem Hause des musikliebenden Luigi Cornaro zu Padua (jetzt 
Pal. Giustiniani), welcher den Falconetto viele Jahre hindurch bei sich 
hatte, enthält der zierliche Anbau im Hofe rechts ein Achteck mit Ni¬ 
schen, welches ebenfalls zu solchem Zweck gedient haben soll. Will¬ 
kürlich verändert bei Serlio, L. VII, p. 218, 223. Vgl. § 119. 
§ 108 
Der Festungsbau 
In einer Zeit, da selbst der Krieg oft eine Sache der Kunst und der 
Eleganz wurde, mußte auch der Festungsbau, soviel als möglich war, in 
den Kreis des Schönen gezogen werden. Dazu kam, daß einzelne Fürsten
	        

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