Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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Stirne tragen und durch ihre Gleichartigkeit bestimmte Stilgruppen bil¬ 
den können. 
Der Palazzo in diesem bestimmten Sinne ist ein monumentaler Bau, 
an welchem jede oder wenigstens die Hauptfronte nur Einen Gedan¬ 
ken, diesen aber mit der vollsten Kraft ausspricht, und dessen Grund¬ 
plan in einer regelmäßigen geometrischen Form beschlossen ist. 
Dieser Einheit fügen sich auch die einzelnen Zwecke, die unter 
Einem Dache erreicht werden sollen, mindestens eben so gut als einer 
verzettelten Anlage; auch lohnte es bei der Gleichartigkeit der Aufgabe 
der Mühe, die günstigem Arten der innern Anordnung immer zweck¬ 
mäßiger und schöner auszubilden und zum Gemeingut zu machen. 
Einen Organismus im strengem Sinne kann man von dem Palazzo 
nicht verlangen, da das Viele und Verschiedene, das er umfaßt, sich 
eben nicht als Vieles, als Kongregat ausdrücken darf, sondern einer 
großen künstlerischen Fiktion untertan wird. 
Bald nach Anfang des 15. Jahrhunderts, noch unabhängig von dem For¬ 
malen der Renaissance, zeigt sich eine Bewegung im Palastbau, welche 
wesentlich auf einen Fortschritt im Zweckmäßigen und Bequemen hin¬ 
strebte. 
Vgl. bei Milanesi II, p. 144 den wichtigen Brief des in Bologna wei¬ 
lenden Jacopo della Quercia 1428 an die Behörden seiner Heimat Siena, 
welche sich bedeutender Bauten halber um einen Meister erkundigte: 
der Betreffende, Giovanni da Siena, sei beim Marchese (Nicolö) von 
Este in Ferrara mit 300 Dukaten jährlich und freier Station für 8 Per¬ 
sonen zum Bau eines großen und starken Schlosses in der Stadt ange¬ 
stellt, »kein Meister mit der Kelle in der Hand, sondern ein chonponitore 
e giengiero, d. h. Ingenieur«; in Bologna selbst sei der treffliche Fiora- 
vante, der den zierlichen Palast des Legaten und in Perugia das Schloß 
des Braccio da Montone gebaut habe; in der Form neige er sich mehr 
als der andere dempelegrino zu, d. h. dem damals Fremdem, Neuen, der 
Renaissance (wie es auch gebraucht wird Vita anon. di Brunellesco, ed. 
Moreni, p. 185); auch er greife weder Kelle noch eine andere Hand¬ 
arbeit an. 
Sehr namhafte Paläste dieser Zeit: derjenige der Colonnesen in Ge- 
nazzano; vgl. PHIL Comment. L. VI,p. 308, - und besonders der des 
Patriarchen Vitelleschi (f 1440) zu Cometo, als Absteigquartier großer 
Herrn, auch der Päpste errichtet, mit dichtschattigen und wasser¬ 
reichen Gärten; Paul. Jovii elogia, sub Jo. Vitellio, - Jac. Volaterran., bei 
Murat. XXIII, Col. 15 2. (Wie viel davon noch vorhanden ?) 
Es kommt für die Geschichte der Frührenaissance sehr in Betracht, 
daß die Paläste der aragonesischen Könige verschwunden, die der 
Päpste und der Sforzas umgebaut und alle übrigen Reste der damaligen 
Fürstenbauten, mit Ausnahme von Urbino und Mantua, noch nicht 
im Zusammenhang untersucht sind.
	        

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