Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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sie verbindenden Bogen, welche noch jetzt modifiziert vorhanden 
sind. 
Daß sich Michelangelo später »esecutore« von Bramantes Plan nannte 
(Vasari VII, p. 137, v. di Bramante), bezieht sich am ungezwungensten 
auf die Zentralanlage, die ihm mit Bramante gemeinsam war. 
Fig. 28 S. Peter. Bramantes erster Grundriß 
Allein Bramante hat zunächst den unter Nikolaus V. von Bernardo 
Rossellino begonnenen Chor, der zu keinem dieser Entwürfe stimmt, 
ausgebaut - ob als einen provisorischen? - oder (Ansicht von Jova- 
novits), indem er sich definitiv darein fügte? 
Sodann gibt es eine alte Aussage (bei Panvinio § 8), wonach Bra¬ 
mante doch auch ein Langhaus entwarf; erst Peruzzi »eiusdem exemplar 
decurtavit, ex oblongo quadratum fecit«. Wir dürfen vermuten, daß Bra¬ 
mante in diesem Falle sehr wider Willen gehorcht habe. - Dieses Lang¬ 
haus scheint dann Raffael, als er 1515 die Oberleitung des Baues erhielt, 
im wesentlichen angenommen zu haben. (Plan bei Serlio.) Chor und 
Querarme entsprechen in den Hauptsachen dem zweiten Zentralplan 
Bramantes; dann folgt ein dreischiffiger Langbau mit mächtigen Pfei¬ 
lern und tiefen Seitenkapellen; alle Flächen mit Nischen; endlich eine 
Vorhalle mit dreifacher Säulenreihe. Nach außen erscheint die Anlage 
des Ganzen sehr vereinfacht; gewaltige gerade Mauern mit Pilastern 
würden dasselbe (mit Ausnahme der drei Apsiden) abgeschlossen ha¬ 
ben. - Leo X. in seinem Ernennungsbreve an Raffael vom 1. August 
1515 (bei Quatremere, ed. Longhena,p. 5 29; s. auch Letterepittoriche VI, 2)
	        

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