Full text: Der Mensch und die Welt

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Das Geistige und seine Formen 
der Telepathie der Sender, der eigentlich aktive Teil ist, 
ist meist der sogenannte Trance des „Mediums“, ein 
schlafähnlicher Zustand, die notwendige Bedingung für 
das Ereignis; aber er ist es nicht immer, denn es gibt auch 
ein Gedankenlesen im wachen Zustande. Wir kommen 
hierauf noch einmal zurück und erwähnen daher an dieser 
Stelle auch nur ganz kurz, daß viele Fälle von Gedanken¬ 
lesen, jedoch nicht alle, sich in Form der sogenannten 
„Psychometrie“ abspielen: ein Gegenstand, welcher 
irgendeinem Menschen gehörte, welcher zu ihm in Be¬ 
ziehung stand, offenbart dem sogenannten „Medium“, 
wenn es ihn sieht oder berührt, die Lebensschicksale des 
früheren Besitzers. 
Was bei unserem Erinnerungswissen um früher Er¬ 
lebtes das Band spannt, wissen wir nicht. Was wir wissen, 
ist nur, daß der Schlaf und der hypnotische Zustand hier 
förderlich wirkt, denn im Traum und in der Hypnose er¬ 
innern wir uns oft an lange Vergessenes. Im übrigen 
setzen wir das Spiel unseres Erinnerungslebens auf Rech¬ 
nung der unbewußten Dynamik der Seele. 
Über unsere tatsächlichen, unmittelbar „präsenten“ 
Wissenserlebnisse brauchen wir in diesem Zusammenhang 
natürlich nicht zu reden: sie bedeuten ja eben, daß für 
ein bestimmtes Wissenserlebnis das Band gespannt ist; 
sie sind Ergebnis seiner Spannung. Und daß dieses prä¬ 
sente Erleben sich stets im Rahmen der logischen und 
mathematischen Bedeutungen und Bedeutungszusam¬ 
menhänge abspielt, heißt nur, daß dieser Rahmen über¬ 
haupt eben zum Wesen des Wissens, des bewußten Er¬ 
lebens gehört. Dieser Rahmen ist uns eben a priori oder, 
psychologisch gesprochen, in „angeborener“ Form ge¬ 
geben ; manchen Instinktwesen, wie den Ameisen, Bienen, 
gewissen Vögeln, scheint viel mehr angeborenes Wissen 
eigen zu sein, nämlich nicht nur, wie uns, ein Wissen um 
die allerallgemeinsten Formen der Ordnung des Wirk¬ 
lichen, die logischen und mathematischen, sondern ein 
Wissen um bestimmte, für sie lebenswichtige Besonder¬ 
heiten der empirischen Welt.
	        

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