Full text: Der Mensch und die Welt

Was ist „■wirklich“? 
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höchstwahrscheinlich auch eine Bewegung der Atome des 
„warmen“ Gegenstandes zugrunde, und anderes mehr. 
Der Begriff der „Materie“ und insonderheit des „Atoms“ 
wird nun im Laufe der Zeiten bedeutend geklärt; das 
Gesetz des Wirkens wird streng mathematisch gefaßt; der 
Begriff der Energie, d. h. der Fähigkeit, „Arbeit“ zu 
leisten, wird als Maßstab eingeführt. 
So einfach, wie man anfangs glaubte, stand es mit den 
„primären“ Eigenschaften eben nicht. Schon Newton fügte 
dem bloßen Stoß die Fernkraft bei. Maxwell zeigt dann, 
daß auf elektrischem Gebiet die „Mechanik“ im engeren 
Sinne nicht zu halten ist. Alles endet in der Aufstellung 
von Systemen von Gleichungen, welche die Energiebezie¬ 
hungen zwischen verschiedenen Raumesorten angeben. 
Ungeheuer vereinheitlicht wird alles; zumal in unseren 
Tagen, wo die Chemie ein Teil der Physik wird, und man 
nur noch von zwei verschiedenen „Elementen“, den Elek¬ 
tronen und den Protonen, redet und die alten etwa neunzig 
Atomarten der Chemie als bloße Kombinationen dieser 
erkennt. 
„In Wirklichkeit“ also gibt’s Energieverteilungen im 
Raum und die Gesetze ihres Ausgleichs, mögen nun zu 
den physikalischen Kräften besondere vitale Kräfte hinzu¬ 
kommen oder nicht. 
Aber das ist noch nicht alles, noch lange nicht alles, 
was die sogenannte „Erkenntnistheorie“ uns sagt. Jetzt 
ist ja das Wirkliche noch immer im Raum. 
Es ist aber inzwischen Kant (und vorher schon Leib- 
niz und Berkeley) gekommen und hat uns gesagt, daß 
auch das, was wir Raum, ja, sogar das, was wir Zeit 
nennen, „bloß subjektiv“ sei. Also auch die räumlichen 
und zeitlichen Eigenschaften, die bis dahin noch als „pri¬ 
märe“, d. h. wirkliche Eigenschaften galten, werden zu 
sekundären, zu Erscheinungen, ganz ebenso wie Töne, 
Wärmen und Farben. 
Und sogar alle abstrakten Begriffe, mit denen wir die 
Welt umspannen: die Begriffe „Ding“, „Zahl“, „Ursache“ 
sind „subjektive“ Zutat, stammen von uns.
	        

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