Full text: Der Mensch und die Welt

Das natürliche Weltbild 
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wo es aufhört, das wird denn doch wohl eine recht schwie¬ 
rige Frage für ihn; und die Träume und Halbträume blei¬ 
ben immer ein wenig bedenklich. — 
Außer dem Innenleben hat unser Natürlicher noch 
etwas anderes entdeckt, nämlich, daß er zu seinem eige¬ 
nen Leibe ein ganz anderes Verhältnis hat als zu den 
Leibern seiner Mitmenschen. Er weiß, daß er gewisse 
Eigenschaften der Dinge, die des Geschmackes nämlich, 
nur dann erfassen kann, wenn er die Dinge mit gewissen 
Stellen seines Leibes in unmittelbare Berührung bringt, 
was zum Sehen, Hören und Riechen nicht nötig ist. Und 
er weiß auch, daß jeder Schmerz immer durch irgend 
etwas an seinem eigenen Leibe bedingt ist. 
Alles, was seinen Leib, und alles, was sein Innenleben 
angeht, faßt er nun zusammen in das Wörtchen „Ich“, 
über das er nicht weiter besonders nachdenkt: „Ich“ bin 
dieser Leib hier mit diesem Wollen und diesem Innenleben 
und diesen Fähigkeiten usw. usw. Ihr aber seid auch, 
was ich bin, und daher nenne ich jeden von euch „du“. 
Uns allen gegenüber steht die Welt. 
Ich weiß ganz genau, was das heißt: „Ich“. Nament¬ 
lich weiß ich, was das heißt: Ich will etwas und tue es 
dann. Ihr alle wißt das ja auch, ihr wollt und handelt ja 
auch. Und auch die Tiere wollen und handeln. Die Steine 
freilich nicht, und der Regen und die Wolken auch nicht. 
Wie kommt es dann aber, daß auch sie sich bewegen, ja, 
daß sie überhaupt da sind? Das hat jedenfalls jemand ge¬ 
macht, den wir nicht kennen. Der ist sicherlich uns ähn¬ 
lich, denn wir können ja auch vieles machen, Zelte zum 
Beispiel und Pfeile. Nur viel mächtiger muß er sein als 
wir. Er kann ja so vieles, was wir nicht können; er hat 
neulich sogar ein ganzes Haus durch den Wind, den er 
machte, umgeworfen. Ein mächtiger Mann; großartig, 
aber doch auch oft recht schrecklich. Wenn wir uns nur 
gut zu ihm stellen könnten. Vielleicht hört er auf unsere 
Bitten, und vielleicht ist es auch gut, wenn wir ihm 
zu essen geben. Gewiß gibt es viele solcher mächtigen 
Männer, die wir nicht sehen. Vielleicht kämpfen sie
	        
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