Full text: Der Mensch und die Welt

YI 
Vorwort 
beliebt ist, daß es heute manche gibt, welche die Wissen¬ 
schaft beiseite schieben wollen und „philosophisch“ nur 
nennen, was angeblich aus anderen als Wissenschafts¬ 
quellen fließt, aus angeblich unmittelbaren Schauungen 
des Wesens des Wirklichen oder ähnlichem. Ich kann mich 
nicht überzeugen, daß es dergleichen Quellen gibt. Aber 
den Begriff der „Wissenschaft“ nehme ich andererseits in 
seiner ganzen Fülle und Mannigfaltigkeit, und mir scheint, 
daß manche Verachtung der Wissenschaft heute daher 
stammt, daß ihre Vertreter den Begriff der Wissenschaft 
zu eng, nämlich immer noch im Sinne des mechanistischen 
Weltbildes nehmen. 
Andere sagen freilich, das sei nur eine besondere, freilich 
auf alles gehende Form, die Welt zu betrachten, die „in¬ 
tellektuelle“ Form, und daneben gebe es andere Formen 
oder, wie man auch gern sagt, Standpunkte. 
Ich meine demgegenüber, erstens, daß es, soweit über¬ 
haupt Wissen in Frage kommt, nur einen Standpunkt der 
Welt gegenüber, nur eine Form des Welterfassens, näm¬ 
lich eben das Wissen, den Intellekt, gibt, zweitens, daß 
diese Intellektform des Wissens sich durchaus nicht im 
mechanischen Weltbilde erschöpft, und drittens, was 
mit dem Zweiten zusammenhängt, daß das mechanische 
Weltbild nicht die ganze Welt unter bestimmtem „Ge¬ 
sichtspunkt“, sondern einen Teil der Welt unter dem für 
diesen Teil freilich allein möglichen Gesichtspunkt er¬ 
faßt. Wissen also ist mir der alleinige Gesichtspunkt für 
die Welterfassung, und dieses Wissen gestaltet sich nun 
allerdings zu verschiedenartig gebauten Sondergebilden 
aus, je nachdem ich diesen Teil der Welt oder jenen Teil 
von ihr zu meinem Objekt mache. Betrachtung verschie¬ 
dener Teile eines Ganzen unter demselben, nämlich dem 
Wissens-Gesichtspunkt ist aber offenbar etwas ganz ande¬ 
res als Betrachtung eines Ganzen unter verschiedenen 
Gesichtspunkten. Das Zweite gibt eine zwei-, ja mehr¬ 
spaltige Weltanschauung, das Erste allein eine einheitliche. 
Um konkreter zu reden, so läßt sich also der Mensch 
nicht „einerseits“ durchaus als mechanisches System,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.