Full text: Unter den Brücken der Metaphysik

BAYLE 
Hat Bayle Gott geliebt? Hat er den Teufel geliebt? Vielleicht hat 
er beide geliebt, in ihrer Beziehung zueinander, in ihrem Gegen¬ 
satz. Er sucht die Widersprüche und den Kampf. Seine Neigung 
treibt ihn zur großen Posse. Er hat es gern, wenn die Dinge sich 
verwirren. Nur im Absurden ist er ganz daheim. Das ist sein Zu¬ 
hause. Übrigens befindet er sich in guter Deckung; was auch ge¬ 
schieht, er weiß immer die Dinge als Gelehrter zu betrachten. So 
hat er auch keine Angst, sich mit dem Teufel einzulassen. Denn 
mag der Teufel ihn noch so weit mit sich fortreißen, es gelingt ihm 
doch nicht, sich seiner Seele zu bemächtigen, die sich klug beiseite 
hält, während sein Verstand sich seiner Neugier überläßt. 
Bayle ist ein Faust ohne Seele, oder ein Faust, dessen Seele jeden¬ 
falls nichts mit dem Pakt zu tun hat, den er mit dem Teufel 
schließt. Er begnügt sich damit, ihm Fragen zu stellen und ihm 
zuzuhören. Er hat als Reporter ihn um ein Interview ersucht. Denn 
er war gerade dabei, ein Lexikon der Menschendinge zu verfassen. 
Wer aber könnte ihm darüber besser Auskunft geben als Satan? 
Sehr viel besser sicherlich als Gott, der von allem, was seit An¬ 
beginn der Welt geschehen ist, sich nur jene Fakten zurechnen 
lassen kann, in denen seine Weisheit sich offenbart hat — und 
das sind sehr wenige, falls es überhaupt welche gibt. Deshalb 
ist es lohnender, den Berichten des Teufels zuzuhören, der darüber 
eine Menge weiß. Und hörte man Gott zu, dann um ihn mit seinem 
Gegner zu konfrontieren. Der Mensch, um den sich beide streiten, 
kommt dabei auf seine Rechnung. 
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