Full text: Unter den Brücken der Metaphysik

der leser: Ich habe nur ein paar Seiten gelesen. 
der autor: Und was sagt Theodor? 
der leser: Dummheiten. 
der autor: Und sie nehmen ihm das übel? 
der leser: Wie könnte ich es ihm übelnehmen, da er ja nicht 
existiert? 
der autor: Aber wer hat denn diese Dummheiten gesagt? 
der leser: Der Autor natürlich. 
der autor: Sie haben Glück, daß Sie kein Autor sind. 
der leser: Warum? 
der autor: Ich hätte Sie sonst verdächtigt, daß Sie selber die 
schrecklichen Sachen gesagt haben, die Sie mir zu¬ 
schreiben. 
der leser: Und als Leser? 
der autor: Sind Sie nicht verantwortlich. 
der leser: Alles hinge also davon ab, ob man Autor oder Leser 
ist? 
der autor: Vielleicht. 
der leser: Es ist schon spät und ich möchte gerne an meinem 
Roman weiterlesen. 
IV 
Wie stellt es eine Romanfigur an, zu existieren? 
Man begegnet nur Autoren und Lesern 
der autor: Was haben Sie inzwischen getan? 
der leser: Ich habe meinen Roman gelesen. 
der autor: Und was ist mit Theodor? 
der leser: Er redet. 
der autor: Sie wollen mir nicht sagen, was er sagt? 
der leser: Wozu? Er spricht von einer Sophie, die genau so 
wenig existiert wie er. 
der autor: Aber woher wissen Sie, was er sagt? 
der leser: Ich hab's gelesen. 
119
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.