Full text: Relativitätstheorie und Philosophie

Von A aus wird also für B gesagt, daß es falsch messe, 
daß sein Meter kein „Meter“ sei; und umgekehrt. — 
Von einer empirisch-realen „Kontraktion“ der Maßstäbe 
(und „Sekunden“) ist hier gar keine Rede. Alles ist schein¬ 
bar; alles bleibt sachlich unbestimmt, muß unbestimmt 
bleiben. 
Nach der Relativitätstheorie soll nun der Knoten zer¬ 
hauen werden: c soll invariant sein mit Rücksicht auf 
jedes beliebig geradlinig-gleichförmig bewegte System. 
Glaubt man aber wirklich, daß bei den „Weltraum“- 
Geschehnissen, oder wo immer sonst Unbestimmtheit be¬ 
stehen muß, der um seine Bewegung zur Lichtquelle nicht 
wissende Beobachter auf einem System c praktisch stets 
= 300 000 bestimmen würde? Seine Meter sind doch 
„Meter“ geblieben und seine Sekunden sind doch auch 
„Sekunden", auch wenn er Gleichzeitigkeit nicht feststellen 
kann! Auf das, was ein Beobachter bestimmen „würde“, 
kommt es aber doch ganz allein an. 
Man „postuliert“ nun, postuliert sogar ganz Unerhörtes, 
nämlich daß Sekunde und Meter kontrahiert sei (und nicht 
nur vom fremden System aus scheine); und man postuliert, 
bloß um die mathematische Einfachheit der Formulierung 
zu retten. Man vergißt dabei, obwohl man so stolz darauf 
ist, nur Feststellbares als existierend zuzulassen, daß ein 
„Feststellen“ hier ganz grundsätzlich gar nicht in Frage 
kommt! Noch nie hat man auf einem fiktiven „Welt- 
raum“-System c immer gleich „gefunden“ — weit nämlich 
Licht immer nur auf dem System „Erde" überhaupt unter¬ 
suchbar ist, mag es stammen, woher es will. 
Gerade auf diesen Punkt kommt kein Relativist zu 
sprechen. Es ist aber klar, daß auch Fixsternlicht immer 
erst „Licht auf dem System Erde" geworden sein muß, 
um überhaupt untersucht werden zu können. Dann 
aber ist es ja, wenigstens wenn man den Versuch Michel- 
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