Full text: Philosophische Gegenwartsfragen

.Intuition“ als Erfassung von Ordnungstypen. 
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Ja, im letzten Grunde wird nur aus Ordnungsgründen 
der Begriff des an sich „Wirklichen“ überhaupt gesetzt1). 
Für die Intuition in unserem Sinne gibt es nun bei den 
verschiedenen Menschen sehr verschiedene Anlagen, ganz 
ebenso wie es verschiedene Anlagen für Handfertigkeit, 
organisatorische oder kaufmännische Tätigkeit usw. gibt. 
Wer hier eine sehr hohe Anlage hat, heißt intellektuelles 
Genie (er wird sich oft für einen „Metaphysiker“ halten, 
ist aber, bloß wegen seiner hohen Intuitionsanlage, noch 
keineswegs ein solcher). Ganz ohne „Intuitionsanlage“ ist 
kein Mensch — und kein Tier. Ganz ohne sie könnte kein 
lebendes Wesen längere Zeit als Lebendiges existieren. 
Die Intuitionsanlage, von der wir reden, ist aber, das 
sei nochmals gesagt, nur eine Anlage zur raschen Er¬ 
fassung von empirischen Ordnungsverhältnissen, mag ihr 
Ergebnis auch noch so „blitzartig“ da sein. Sie hat gar 
nichts zu tun mit „Instinkt“; sie ist rein „intellektual“. 
Auch Parapsychisches zuzulassen sehen wir hier gar 
keine Veranlassung, so wohlwollend wir ihm sonst gegen¬ 
überstehen; bis jetzt scheint uns jedenfalls weder ein 
genialer Gelehrter noch ein besonders begabter Politiker, 
Bankier usw. ein „Metagnom“ gewesen zu sein. Mit dem 
W orte „Instinktsicherheit“ wird hier oft sehr leichtsinnig 
gewirtschaftet (übrigens auch in bezug auf ganze Völker). 
Es handelt sich stets nur um eine Sicherheit, rasch 
Ordnungsverhältnisse richtig zu übersehen; natürlich stets 
nur auf dem Gebiet, das man seinen Besonderheiten und 
Möglichkeiten nach kennt. 
Übrigens ist bekanntlich durch die wertvolle Arbeit 
Loesers* 2) der Begriff des „Instinktes“ selbst höchst frag¬ 
x) L. c. S. 8. 
2) I. A. Loeser, Die Unhaltbarkeit des tierischen Instinktbegriffs, Sitz.ber. 
Ges. naturforsch. Freunde 1930. S. auch „Die psychol. Autonomie des 
organ. Handelns“, Berlin 1931 (Nr. 30 von Schaxels Abh. zur theor. Biol.).
	        

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