Full text: Philosophische Gegenwartsfragen

174 
Logische Probleme. 
Sehr lehrreich ist in bezug auf Statistik die Betrach¬ 
tung der Mendelschen Vererbungsregel, wobei wir vom 
Vorkommen einer „Dominanz“ sowohl wie einer „Koppe¬ 
lung“ absehen wollen: die Bastardgeneration, erzeugt aus 
der Kreuzung einer weiß mit einer rot blühenden Pflanze, 
gibt bei Inzucht, wenn eine große Zahl von Fällen ge¬ 
prüft wird, */4 rot, 1ji weiß, 2/4 rosa blühende Nachkommen. 
Von „Faktoren“ ist hier zunächst gar nicht die Rede. 
Nun kommt aber von der anderen Seite die Zytologie 
und vermutet (erweist später), daß sowohl unter den 
Spermien wie den Eiern eine gleiche Zahl von Männchen 
und von Weibchen produzierenden Elementen ist, die 
„zufällig“ und „beliebig“ miteinander kopulieren. Dann 
ergibt sich durch Apriori-Betrachtung, daß die 
Wahrscheinlichkeiten von cfcf, <^q und im Verhältnis 
von lfi : 1/i : 2/4 stehen. Nun hat man die Mendelsche Regel 
insoweit „verstanden“, freilich nur insoweit, als eine tat¬ 
sächlich, nämlich an den Varianten, beobachtete Ver¬ 
teilungshäufigkeit zu einer gekannten Verteilungshäufig¬ 
keit von Faktoren in eindeutige Beziehung gesetzt ist. 
Bei der statistischen Ermittlung des Verhältnisses von 
Knaben- zu Mädchengeburten (106 : 100), der Häufigkeit 
von Selbstmorden, von Todesfällen durch Krebs usw. 
bleibt es einstweilen bei dem bloß statistischen Resultat, 
das nun wie ein, recht vorläufiges, Naturgesetz behandelt 
und für die Zukunft als ceteris paribus gültig erwartet 
wird. 
Daß letzthin eindeutig bestimmende Faktoren 
zugrunde liegen, die man freilich nicht kennt, wird ge¬ 
rade wegen der statistisch ermittelten Verteilungs¬ 
gesetzlichkeit postuliert. Eine Basis von eindeutig be¬ 
stimmenden Faktoren muß da sein, so sagt man mit 
Recht; und kennte man sie genau, so würde man das
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.