Full text: Philosophische Forschungswege

72 Beispiele einzelner philosophischer Fehlgriffe und Gefahren. 
Welt abzuzählen sich anschickt, so wird man nie fertig.“ 
In diesem Sinne sind allerdings beide Welten aufeinander 
„abbildbar“ — ebenso wie die von einem Steinhaufen 
eingenommenen Raumpunkte auf die eines Waldes. 
Daß eben zu den geometrischen Relationsformen, welche 
der mechanischen Welt und der Welt der Erlebnisinhalte 
gemeinsam sind, auf der Erlebnisseite die vielen Rela¬ 
tionen unter den Qualitäten, den Zeitdaten, den Gefühls¬ 
daten, den bloßen Bedeutungen, den Wahrheitsakzenten 
dazu kommen, das übersieht die mengentheoretische 
Schematik ganz und gar. Oder wünscht man etwa den 
Wahrheitston, den der pythagoreische Satz hat, im Gegen¬ 
satz zum Falschheitston des Satzes „Die Winkelsumme 
des euklidischen Dreiecks beträgt 200 Grad“, einer 
tetraedrischen und einer würfelförmigen Anordnung von 
Elektronen im Gehirn „zuzuordnen“; oder das Prädikat 
„gut“, das wir dem Leben Jesu geben, im Vergleich zu 
dem Wort „böse“, mit dem ein Mörder gekennzeichnet 
wird, einer das eine Mal ellipsoidischen, das andere Mal 
kreisförmigen Bewegung eines Gehirnelektrons ? Zum 
Witzemacben ist doch wohl die Wissenschaft nicht da. 
c) Gegen den Begriff des „beweisens“. 
Ich komme zur Warnung vor einer falschen Ver¬ 
wendung des Wortes „beweisen“. Auch hier fehlt’s oft 
an logischer Schulung im Allerelementarsten. 
Einstein’s allgemeine Relativitätstheorie ist „bewiesen44 
durch die Beobachtung, daß Fixsternlicht, das nahe an 
der Sonne vorbeigeht, auf diese zu aus seiner Bahn ab- 
gelenkt wird. Das steht jede Woche einmal in irgendeiner 
Tageszeitung, und da mag e6 hingehen. Aher es steht 
gelegentlich auch in „wissenschaftlichen44 Werken.
	        

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