Full text: Philosophische Forschungswege

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Metaphysische Ratschläge und Warnungen. 
Nicht zur Mystik im echten Sinne gehört natürlich, 
was heute, zumal von Gegnern, oft so genannt wird: 
Vitalismus, Unterbewußtseinslehre, Parapsychologie. 
Überall im Empirischen, auch im Rahmen des Mechanis¬ 
mus, gibt es ja einen bloß in seinem Sosein und seiner 
Gesetzlichkeit zu erfassenden, hinzunehmenden, ge¬ 
gebenen Rest, ein „Urphänomen“. Diesen Rest mag man 
„irrational“ nennen; von „Mystischem“ ist an ihm eben¬ 
sowenig wie an den leges motus Newtons. 
Daß Materialismus, Allmechanismus, mechanisierte 
Psychologie und psycho-mechanischer Parallelismus heute 
„überwunden“ seien, habe ich selbst oft gesagt. Ja, ich 
habe an dieser „Überwindung“ mitgearbeitet; freilich 
nicht mit dem vorgefaßten Wunsche zu „überwinden“, 
sondern weil ich unter dem Zwange des Tatsächlichen 
überwinden mußte. 
Das Überwindende war hier ganz ebenso „rational“ 
wie das, was überwunden ward, nur bedeutete es voll¬ 
ständigere, gewissenhaftere Rationalität. 
Von Mystik als einer besonderen, geheimnisvollen 
Erkenntnisform war also gar nicht die Rede, und ich 
sage immer wieder, daß von einer solchen dunklen 
Erkenntnisform nicht einmal da die Rede ist, wo es sich 
um die Hypothese des sogenannten Spiritismus handelt, 
von Telepathie und Verwandtem gar nicht zu reden. 
Man mag sagen, daß es „magische“, d. h. heute in ihrer 
Gesetzlichkeit noch nicht klar erfaßte Tatsächlichkeiten 
gibt. Aber diese Tatsächlichkeiten werden nicht „my¬ 
stisch“ erfaßt, sondern auf die normale wissenschaft¬ 
liche Art, die man freilich, wenn man so will, als ein 
„Schauen“ von Ordnungstypen im Rahmen des Er¬ 
lebten bezeichnen mag (Seite 22). Aber so wird schon 
die schlichteste mechanische Ordnungsform erfaßt.
	        

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