Full text: Philosophische Forschungswege

1X2 Metaphysische Ratschläge und Warnungen. 
lianer“1) sein Leben lang und verliert die Fähigkeit, 
Problemen unbefangen gegenüber zu stehen. Den kriti¬ 
schen Philosophien ist diese Gefahr nicht eigen. 
Sehen wir uns die von uns gemeinten „großen Systeme“", 
welche sämtlich Metaphysiken sein wollen, nun näher an, 
so finden wir, daß fast alle nur logische Klassifikationen 
von Begriffen sind und im Grunde nichts weiter. Sie 
wollen mehr leisten, gewiß. Aber worin besteht diese 
Mehrleistung? Nur darin, daß in den obersten Begriff 
alles das potentia hineingepackt wird, was man aus den 
Erfahrungsdaten und ihrer Klassifikation weiß, und daß 
man dann rückwärts alles Erfahrungshafte aus dem vor¬ 
her mit ihm gesättigten höchsten Begriff mitsamt seiner 
Potenz in einem sehr dunkel als „zeitlos“ benannten 
Prozeß „emanieren“ läßt. Eine grandiose Selbsttäuschung, 
aber weiter nichts; nicht das mindeste an Einsicht! Als 
Beispiele mögen die Systeme Plotins, Spinozas und He¬ 
gels dienen. Ens, Substantia und Absolutes sind Namen 
für den allerhöchsten Gattungsbegriff, den es gibt, näm¬ 
lich Etwas, jenen Begriff, in den hinein ja sogar Subjekt 
und Objekt verschwinden. Da holt man denn erst diese 
Beiden „emanatorisch“ aus dem höchsten Begriff heraus 
und dann weiterhin alles das — was man schon vorher 
in umgekehrter Reihenfolge kannte. Gewiß, wenn der 
höchste Begriff eines solchen emanatorischen Systems, 
also etwa Spinozas Substantia das wäre, was ich einen 
„unentwickelten entwickelbaren Begriff“ genannt habe, 
dann wäre es anders. Aber das ist er mit Sicherheit nicht. 
x) Angesichts der modernen, freilich schon abflauenden Hegel¬ 
begeisterung ist eine Sache äußerst bemerkenswert: Man schwärmt 
für Hegel, aber nie geht man auf ihn im einzelnen ein, so wie das 
bei Kant, Hume, Leibniz u. a. geschieht. Hier kennt und nennt der 
gebildete Philosoph jede „Stelle“. Sollten das etwa die Hegelschen 
„Stellen“ — nicht recht vertragen?
	        

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