Full text: Zur Lage der Arbeiter im staatlichen Bergbau an der Saar

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Da man seitens der Grubenverwaltungen hierauf nur sehr selten einyegangen ist, 
kann angenommen werden, daß auch in Beamtenkreisen bekannt ist, daß eine 
absichtliche Minderleistung erfunden ist, um die außergewöhnlich schlechten 
Löhne einigermaßen begründen zu können und eine höhere Tonnenförderung 
zu erzielen. Man sollte aber solche Vorwürfe unterlassen. Mit Recht sagt der im 
Staatsbergbau beschäftigte Bergassessor Herbig, daß im Bergbau sicherlich nicht 
mehr faule oder sonst minderwertige Arbeiter beschäftigt sind als in irgend einem 
andern Gewerbe. 1 ) Es ist deshalb auch unberechtigt, die Bergleute in ihrer Ge 
samtheit der absichtlichen Zurückhaltung der Leistung zu zeihen. Durch 
ihre Arbeitsleistung haben sich die Saarbergleute einer Aufbesserung der Löhne 
nicht unwürdig gemacht. 
¿Die ¿Rentabilität des staatlichen ¿Bergbaues an der Saar. 
In den letzten Jahren wurde ganz außerordentlich über mange'nde Ren 
tabilität des staatlichen Bergbaues an der Saar geklagt. Sowohl von Vertretern 
der Königl. Staatsregierung als auch von Mitgliedern des Hohen Hauses der 
Preußischen Abgeordneten. Auch den Arbeitern gegenüber ist seit Jahren 
immer wieder auf die mangelnde Rentabilität des Staatsbergbaues hingewiesen 
worden, wenn diese den Wunsch nach höheren Löhnen aussprachen. Vielfach 
wurden auch, wie schon im vorigen Abschnitt erwähnt, die Arbeiter für die an 
geblich vorhandene mangelhafte Rentabilität verantwortlich gemacht. In weiten 
Kreisen des Volkes sind durch die Klagen ganz falsche Vorstellungen über die 
wirkliche Sachlage geschaffen, sowohl über den Fleiß der Saarbergleute als auch 
über die Rentabilität des staatlichen Bergbaues überhaupt. Über die erste Frage 
ist bereits im vorigen Abschnitt das Nötige gesagt worden. Hier soll nun noch 
einiges zu der Frage der Rentabilität der Saargruben angeführt werden. 
Es ist grundsätzlich falsch, unter allen Umständen vom Staatsbergbau eine 
vom kapitalistischen Gesichtspunkte aus genügende Rente zu verlangen, weil 
ja der Bergbau des Staates nicht allein von kapitalistischen Gesichtspunkten 
aus verwaltet werden soll und wird. Immer wieder ist bei der Beratung des Etats 
der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung und auch bei anderen passenden 
Gelegenheiten im Preußischen Landtage verlangt worden, der Staat solle sich 
bei der Verwaltung seines Bergwerksbesitzes nicht allein von dem Streben nach 
einem möglichst hohen Überschuß, sondern auch von anderen Rücksichten leiten 
lassen. Man verlangte eine möglichst weitgehende Rücksichtnahme auf die 
Interessen der Landwirtschaft, der landwirtschaftlichen und sonstigen Genossen 
schaften beim Verkauf der Kohlen, wünschte eine im Interesse der Allgemeinheit 
liegende Preispolitik der Staatsgruben und forderte insbesondere in Zeiten der 
Kohlenknappheit die Bevorzugung der inländischen vor den ausländischen 
Konsumenten. 
Die Folgen waren für den Staatsbergbau nicht sehr erfreulich und trugen 
außerordentlich dazu bei, seine Rentabilität herabzusetzen. Hierfür einige Beweise. 
In seiner Arbeit über ,,Die Absatzverhältnisse der Königlichen Saarbrücker 
Steinkohlengruben in den letzten 20 Jahren (1884 bis 1903)“ führt Herr Bergrat 
R. Zörner 1 2 ) z. B. an, daß im Jahre 1889 eine Kohlenknappheit bestanden habe 
und fährt wörtlich fort: 
„Im Jahre 1890 dauerte dieser Zustand der Kohlenknappheit noch fort, die Berg 
werksdirektion bevorzugte als staatliche Verwaltung besonders den deutschen Markt und 
1 ) Soziale Praxis Nr. 9 1907 und Glückauf 1907. S. 1751. 
2 ) Der Steinkohlenbergbau des Preußischen Staates in der Umgebung von 
Saarbrücken, 4. Teil. 
Klagen über 
mangelnde Ren 
tabilität des 
Staatsbergbaues. 
Staatsbergbau 
braucht keine 
vom rein kapita 
listischen Stand 
punkt aus genü 
gende Rente 
bringen.
	        

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